Agile Qualifizierung und Validierung nach cGMP

Pharmazeutische Betriebe oder Hersteller von Medizintechnik sind immer mehr auf der Suche nach einem profitablen Weg zwischen Qualität und Produktivität unter Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben.

Es zeichnen sich verstärkt neue Trends ab. Einer davon ist eine intensive Qualifizierung von automatisierten Systemen inklusive oder auch exklusive Computer System Validierung (CSV), die anschließend schwerpunktmäßig und sehr intensiv den Herstellprozess betrachten. Oft wird hier auf das V-Modell verwiesen, welches die notwendige und geforderte Flexibilität nicht abbilden kann.

Das klassische V-Modell kann unter den immer strengeren Rahmenbedingungen, wie weniger Zeit & Ressourcen, nur sehr schwer befolgt werden. Hier kann das von ServoTech neu entwickelte Validierungsmodell AQV mit „Agilen Techniken und Methoden“ Abhilfe leisten.

Produkt und Prozesswissen

Im Rahmen der Prozessentwicklung müssen kritische Qualitätsattribute (CQA’s) des Produktes über die Definition des Herstellprozesses identifiziert werden.

Zur zugehörigen Prozessbeschreibung führt eine Risikobewertung zur initialen Einstufung qualitätsrelevanter Parameter (CPP‘s). Eine im Projekt frühe Zusammenführung der CQA’s/ CPP’s mit der Automatisierung des Herstellprozesses über die von ServoTech entwickelten Automatisierungsund Prozess-Profile (APP’s), sind ein wesentlicher Bestandteil der AQV. „Quality by Design“ bekommt hier eine neue Bedeutung, denn in dieser Phase des Life-Cycle können Reaktionen des automatisierten Systems in Relation zum Herstellprozess definiert werden.

Themen, wie der Umgang mit Rohdaten, Datensicherheit, Datenintegrität, Audit Trail sowie das Umsetzen von Anforderungen aus den Predicate Rules, wie z.B. dem 21 CFR Part 11, werden festgelegt. Diese Vorgehensweise erleichtert das Spezifizieren des automatisierten Systems via User Requirement Specification (URS).

Technische Prozessqualifizierung

Die Fabrikation des automatisierten Systems steht bei der Agilen Qualifizierung und Validierung im Mittelpunkt. Die dokumentierte Beweisführung des Lieferanten zum Nachweis der Qualität seiner Wertschöpfungsprozesse wird in allen weiteren Phasen der Qualifizierung und Validierung verwendet. Eine Risikobetrachtung des automatisierten Systems unter dem Einbeziehen der APP‘s aus cGMP-Sicht wird mit agilen Techniken und Methoden verbunden.

Die Weichenstellung für Aktivitäten im Entwicklungsbereich des Lieferanten und den Aktivitäten zur Umsetzung der regulatorischen Anforderungen auf Seiten des zukünftigen Betreibers, wie Factory Acceptance Test (FAT), Site Acceptance Test (SAT), Installation Qualification (IQ), Operational Qualification (OQ) und der Qualifizierung der Prozessleistung (PPQ), ist gegeben.

Organisationsstrukturen des Lieferanten und die Projektorganisation des Betreibers arbeiten überdurchschnittlich eng und in Augenhöhe im Rahmen der jeweiligen Kernkompetenz zusammen. Die Tür zum Transfer von Produktund Prozesswissen wird weit aufgestoßen und ist ein wesentlicher Garant für den Erfolg.

Kontinuierliche Prozessvalidierung

Die Strategie der Prozesskontrolle ist implementiert, das System zur Herstellung des Produktes ist qualifiziert und die Reinigungsvalidierung hat stattgefunden.

Auf Basis der Parameter für den Herstellprozess wird überprüft, ob der Prozess in der Lage ist, eine reproduzierbare, kommerzielle Produktion zu ermöglichen. Die endgültigen Spezifikationsgrenzen für den Prozess werden bestimmt und ein funktionierendes Change Management ist unabdingbar, denn die Erfahrung hat gezeigt, dass diese Phase mit einer Optimierung verbunden ist.

Im Anschluss kann die kontinuierliche Prozessvalidierung beginnen, denn das fortlaufende Monitoring beweist auf Basis von Kennzahlen, dass der Herstellungsprozess zu jeder Zeit beherrscht und kontrolliert wird.

Mit der agilen Qualifizierung und Validierung wird ein hoher Grad an Prozessund Produktwissen, Effizienz, Sicherheit und Kontinuität über den gesamten Herstellprozess gewonnen, bevor nur ein Produkt an Patienten ausgeliefert wird.

Die Strategie der agilen Qualifizierung und Validierung nach cGMP kann unabhängig vom Produkt und der damit verbundenen Validierungsstrategie angewendet werden. Projekte sind im Zeitalter von „Pharma 4.0“ sehr komplex und schwer in eine vollumfängliche Planung, die den Anforderungen der regulierten Industrie entspricht, zu überführen.

Die AQV trägt dazu bei, für Transparenz auf Seiten des Lieferanten aber auch auf Seiten des Betreibers zu sorgen. Anforderungen, Fortschritt und Hindernisse werden regelmäßig und für alle sichtbar festgehalten. Ergebnisse und Funktionalitäten in Bezug auf den zu automatisierenden Herstellungsprozess werden regelmäßig abgeliefert und bewertet.

Anforderungen an das automatisierte System, Pläne und Vorgehen werden nicht ein für alle Mal festgelegt, sondern kontinuierlich und detailliert angepasst.

AQV reduziert die Komplexität der Validierung nicht, sondern strukturiert sie in kleinere und weniger komplexe Bestandteile, die am Ende des Projekt Life-Cycle zum Erfolg führen.